Ein internes Audit prüft, ob Ihr QM-System die Anforderungen der Norm und Ihre eigenen Vorgaben erfüllt und ob es wirksam umgesetzt ist. ISO 9001 verlangt interne Audits ausdrücklich (ISO/TC 176/SC 2). Gut gemacht, sind sie viel mehr als eine Pflichtübung: Sie zeigen Ihnen Schwachstellen, bevor es die Zertifizierungsstelle oder ein Kunde tut.

Im Stufe-1-Audit prüft die Zertifizierungsstelle, ob Sie für die Zertifizierung bereit sind (TÜV NORD CERT). Ohne abgeschlossene interne Audits sind Sie es kaum.

Was die Norm verlangt

In eigenen Worten zusammengefasst:

  • Sie führen interne Audits in geplanten Abständen durch, um zu prüfen, ob das QM-System die Anforderungen erfüllt und wirksam ist.
  • Sie planen ein Auditprogramm mit Häufigkeit, Methoden, Verantwortlichkeiten und Berichterstattung. Dabei berücksichtigen Sie die Bedeutung der Prozesse, Änderungen im Unternehmen und die Ergebnisse früherer Audits.
  • Für jedes Audit legen Sie Kriterien und Umfang fest.
  • Sie wählen Auditoren so aus, dass Objektivität und Unparteilichkeit gewahrt sind.
  • Die Ergebnisse gehen an die zuständige Leitung; Korrekturen und Korrekturmaßnahmen folgen ohne unnötige Verzögerung.
  • Auditprogramm und Ergebnisse halten Sie als Nachweis fest.

Einen ausführlichen Leitfaden für Audits gibt die Norm ISO 19011, aktuell in der vierten Ausgabe von 2026 (SFS). Sie ist keine Pflicht, aber eine gute Grundlage für Auditoren.

Das Auditprogramm

Das Auditprogramm legt fest, welche Prozesse wann und von wem auditiert werden. Ein einfaches Programm für ein Jahr reicht:

ProzessQ1Q2Q3Q4AuditorSchwerpunkt
Führung und ManagementbewertungxexternZiele, Politik, Entscheidungen
Angebot und AuftragxMeisterin MontageAuftragsprüfung, Kundenanforderungen
Fertigung oder DienstleistungxQM-BeauftragterVorgaben, Prüfungen, Nachweise
Einkauf und LieferantenxVertriebLieferantenbewertung
Reklamationen und VerbesserungxEinkaufUrsachenanalyse, Wirksamkeit
Personal und SchulungxVertriebKompetenz, Bewusstsein, Qualitätskultur
Prüfmittel und InfrastrukturxEinkaufKalibrierung, Wartung

Prozesse mit vielen Fehlern, neuen Abläufen oder schlechten Kennzahlen kommen öfter dran, stabile seltener. Begründen Sie die Häufigkeit kurz; danach fragt die Zertifizierungsstelle gern.

Ablauf in acht Schritten

  1. Planen: Prozess, Termin, Auditor und Beteiligte festlegen, Auditplan mit Zeiten versenden.
  2. Vorbereiten: Prozessbeschreibung, Kennzahlen, letzte Auditberichte und Reklamationen lesen; Fragen notieren.
  3. Eröffnen: kurz Ziel, Umfang und Ablauf erklären.
  4. Befragen und beobachten: mit Verantwortlichen und Mitarbeitenden am Arbeitsplatz sprechen, Abläufe zeigen lassen.
  5. Stichproben prüfen: Aufzeichnungen ansehen, etwa einen konkreten Auftrag, eine Reklamation, einen Schulungsnachweis.
  6. Bewerten: Feststellungen formulieren: Abweichung, Verbesserungspotenzial oder positive Feststellung.
  7. Abschließen: Ergebnisse im Abschlussgespräch vorstellen und Maßnahmen vereinbaren.
  8. Berichten und nachverfolgen: Bericht schreiben, Maßnahmen in die Maßnahmenliste, Wirksamkeit später prüfen.

Wer auditieren darf

Wichtig ist, dass niemand seine eigene Arbeit prüft. In mittleren Betrieben auditieren geschulte Mitarbeitende aus anderen Bereichen, wie im Programm oben. In sehr kleinen Betrieben geht das kaum; dann übernimmt ein externer Auditor das interne Audit, oft für einen halben oder ganzen Tag im Jahr.

Auditoren brauchen Wissen über die Norm, die Audittechnik und den Betrieb. Schulungen zum internen Auditor bieten viele Akademien und Kammern an; mehr dazu unter Weiterbildung Qualitätsmanagement.

Checkliste: Fragen zu allen Kapiteln

Die Fragen sind ein Startpunkt. Passen Sie sie an Ihre Prozesse an und fragen Sie immer nach Belegen.

KapitelFrageBeleg
4 KontextSind interne und externe Themen und interessierte Parteien aktuell erfasst, einschließlich Klimawandel?Kontextanalyse mit Datum
4 ProzessePasst die Prozesslandkarte zum tatsächlichen Betrieb?Prozesslandkarte, Begehung
5 FührungWie fördert die Leitung Qualitätskultur und ethisches Verhalten?Beispiele, Protokolle
5 PolitikPasst die Qualitätspolitik zu Kontext und Strategie, und kennen Mitarbeitende sie?Politik, Gespräche
6 Risiken und ChancenSind Maßnahmen zu Risiken und zu Chancen geplant und auf Wirksamkeit geprüft?Risiko- und Chancenliste
6 ZieleSind die Qualitätsziele messbar, mit Termin und Verantwortlichen?Zielübersicht
6 ÄnderungenWurden geplante Änderungen mit Wirksamkeit, Kommunikation und Ergebnisprüfung geplant?Änderungsformular
7 KompetenzWie wird der Schulungsbedarf ermittelt, und sind Nachweise vorhanden?Qualifikationsmatrix
7 BewusstseinWissen Mitarbeitende, was Qualitätskultur und ethisches Verhalten für ihre Arbeit bedeuten?Gespräche
7 PrüfmittelSind qualitätsrelevante Messmittel geprüft oder kalibriert?Kalibrierliste
7 DokumenteIst die aktuelle Fassung jeder Vorgabe am Arbeitsplatz verfügbar?Stichprobe
8 AuftragWerden Kundenanforderungen vor der Zusage geprüft?Auftrag mit Prüfvermerk
8 LieferantenWerden Lieferanten nach Kriterien ausgewählt und neu bewertet?Lieferantenbewertung
8 FreigabeWerden Produkte oder Leistungen vor der Übergabe geprüft und freigegeben?Prüfprotokolle
8 FehlerhaftesWie wird mit fehlerhaften Produkten umgegangen?Sperrvermerke, Liste
9 KennzahlenWerden Kennzahlen ausgewertet und besprochen?Auswertungen
9 KundenzufriedenheitWie wird die Zufriedenheit der Kunden ermittelt?Befragung, Reklamationen
9 ManagementbewertungEnthält sie alle Pflichtthemen, auch Veränderungen bei interessierten Parteien?Protokoll
10 AbweichungenWerden Ursachen analysiert und Maßnahmen auf Wirksamkeit geprüft?Maßnahmenliste

Weitere Arbeitshilfen finden Sie unter Vorlagen und Checklisten.

Feststellungen gut formulieren

Eine gute Feststellung nennt die Anforderung, was gesehen wurde und den Beleg:

SchwachBesser
„Lieferantenbewertung mangelhaft.“„Für zwei von fünf geprüften Lieferanten liegt keine Neubewertung 2026 vor (Stichprobe Einkauf, Lieferantenliste vom 12.03.). Die eigene Vorgabe verlangt eine jährliche Bewertung.“
„Mitarbeiter kennen QM nicht.“„Zwei von drei befragten Mitarbeitenden in der Montage kannten die aktuelle Arbeitsanweisung zur Endprüfung nicht; am Arbeitsplatz hing Version 2 statt Version 3.“

So kann der Prozessverantwortliche gezielt handeln, und niemand fühlt sich pauschal angegriffen.

Vorlage: Auditbericht

FeldInhalt
Prozess und Umfang
Datum, Auditor, Beteiligte
GrundlageISO 9001:2026, eigene Vorgaben
Positive Feststellungen
AbweichungenAnforderung, Feststellung, Beleg
Verbesserungspotenziale
Vereinbarte MaßnahmenMaßnahme, Verantwortlich, Termin
Gesamteinschätzung

Die Ergebnisse fließen in die Managementbewertung ein.

Häufige Fehler

  • Nur Dokumente prüfen: Ein Audit am Schreibtisch zeigt nicht, ob der Ablauf gelebt wird.
  • Eigene Arbeit auditieren: Das verletzt die Unparteilichkeit und fällt im externen Audit auf.
  • Keine Abweichungen finden wollen: Ein internes Audit ohne Feststellungen ist selten glaubwürdig.
  • Maßnahmen versanden: Ohne Nachverfolgung bleibt das Audit folgenlos.
  • Alles kurz vor dem Zertifizierungsaudit: Verteilen Sie die Audits übers Jahr.

Wie die externen Audits ablaufen, steht unter ISO-9001-Audit.