In der Managementbewertung prüft die oberste Leitung in geplanten Abständen, ob das QM-System passt, ausreicht, wirkt und zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens passt. Sie ist die wichtigste Stelle, an der die Leitung zeigt, dass sie das QM-System wirklich steuert. Die Ergebnisse müssen als dokumentierte Information vorliegen (MPA NRW).
Mit ISO 9001:2026 wird die Managementbewertung verbindlicher: Statt Themen nur „zu berücksichtigen“, muss die Bewertung sie enthalten. Neu dazu kommen Veränderungen bei den Erfordernissen und Erwartungen der interessierten Parteien (Global ACI-TECH-3-TR).
Was die Managementbewertung leisten soll
Die Leitung beantwortet einmal im Jahr vier Fragen:
| Frage | Worum es geht |
|---|---|
| Passt das System noch? | zu Produkten, Kunden, Größe und Umfeld des Unternehmens |
| Reicht es aus? | deckt es alle nötigen Prozesse und Anforderungen ab |
| Wirkt es? | werden Ziele erreicht, sinken Fehler, sind Kunden zufrieden |
| Passt es zur Strategie? | unterstützt es, wohin das Unternehmen will |
Die Antworten führen zu Entscheidungen: Was wird verbessert, was ändert sich am System, welche Mittel werden gebraucht?
Die Themen der Managementbewertung
Nach der Fassung 2015 gehören diese Themen hinein; die Fassung 2026 ergänzt ein neues und ordnet die übrigen neu. Den genauen Wortlaut finden Sie im Normtext.
| Thema | Woher die Information kommt | Beispielfrage |
|---|---|---|
| Stand der Maßnahmen aus der letzten Bewertung | Protokoll des Vorjahres | Was ist erledigt, was offen? |
| Veränderungen bei internen und externen Themen | Kontextanalyse | Was hat sich am Markt, bei Personal, Technik, Gesetzen geändert? |
| Neu 2026: Veränderungen bei Erfordernissen und Erwartungen interessierter Parteien | Kundengespräche, Ausschreibungen, Behörden, Mitarbeitende | Erwartet jemand etwas Neues von uns? |
| Kundenzufriedenheit und Rückmeldungen | Befragungen, Reklamationen, Lob | Wie zufrieden sind die Kunden, mit welchem Trend? |
| Erreichung der Qualitätsziele | Zielübersicht | Welche Ziele wurden erreicht, welche nicht, warum? |
| Prozessleistung und Konformität | Kennzahlen der Prozesse | Welche Prozesse laufen gut, welche nicht? |
| Abweichungen und Korrekturmaßnahmen | Maßnahmenliste | Wo traten Fehler auf, wurden Ursachen beseitigt? |
| Ergebnisse von Überwachung und Messung | Prüfungen, Messungen | Was zeigen die Daten? |
| Auditergebnisse | interne und externe Audits | Welche Feststellungen gab es? |
| Leistung externer Anbieter | Lieferantenbewertung | Welche Lieferanten machen Probleme? |
| Angemessenheit der Ressourcen | Personal, Maschinen, IT, Budget | Fehlt etwas, um die Ziele zu erreichen? |
| Wirksamkeit der Maßnahmen zu Risiken und Chancen | Risiko- und Chancenliste | Haben die Maßnahmen gewirkt, sind Chancen genutzt? |
| Möglichkeiten zur Verbesserung | Vorschläge aus dem Team, Audits, Kennzahlen | Was wollen wir besser machen? |
Die Ergebnisse
Nach der Fassung 2015 muss die Bewertung zu Entscheidungen und Maßnahmen führen, und zwar zu:
- Möglichkeiten zur Verbesserung
- notwendigen Änderungen am QM-System
- dem Bedarf an Ressourcen
Halten Sie jede Entscheidung mit Verantwortlichem und Termin fest. Diese Liste ist im nächsten Jahr der erste Punkt der Tagesordnung.
Was sich 2026 ändert
| Fassung 2015 | Fassung 2026 | |
|---|---|---|
| Verbindlichkeit | Themen werden „berücksichtigt“ | Bewertung „muss enthalten“ |
| Interessierte Parteien | nur indirekt über Kundenzufriedenheit und Rückmeldungen | eigenes Thema: Veränderungen ihrer Erfordernisse und Erwartungen |
| Reihenfolge | bisherige Gliederung | neu geordnet |
Quelle: Global ACI-TECH-3-TR. Für bestehende Systeme heißt das: Nehmen Sie den neuen Punkt in Ihre Vorlage auf und prüfen Sie, ob Ihr Protokoll wirklich alle Themen behandelt. Ein Satz wie „QM-System wirksam“ ohne Bezug zu den einzelnen Themen reicht nach der Fassung 2026 erst recht nicht.
Wie oft und wie lange
Die Norm verlangt die Bewertung „in geplanten Abständen“, ohne festen Rhythmus. Üblich ist einmal im Jahr, oft zum Ende des Geschäftsjahres, wenn ohnehin geplant wird. Vor der Erstzertifizierung sollte mindestens eine Bewertung abgeschlossen sein: Im Stufe-1-Audit prüft die Zertifizierungsstelle, ob Sie für die Stufe 2 bereit sind (TÜV NORD CERT).
Für einen kleinen Betrieb ist ein halber Tag für die Besprechung ein guter Richtwert, wenn die Daten gut vorbereitet sind. Größere Unternehmen teilen die Bewertung manchmal auf mehrere Termine im Jahr auf.
So bereiten Sie die Bewertung vor
- Termin festlegen, am besten im Jahresplan, damit er nicht verschoben wird.
- Daten sammeln, zwei bis vier Wochen vorher: Kennzahlen, Zielübersicht, Reklamationen, Auditberichte, Lieferantenbewertung, Risiko- und Chancenliste.
- Bericht vorbereiten: Die QM-Beauftragte fasst je Thema zusammen, was die Daten zeigen, mit Trend und Vorschlag.
- Besprechung durchführen: Die Leitung bewertet jedes Thema und entscheidet.
- Protokoll schreiben und freigeben, mit allen Entscheidungen.
- Nachverfolgen: Die Maßnahmen kommen in die Maßnahmenliste und werden unterjährig geprüft.
Vorlage: Protokoll der Managementbewertung
Kopfzeile: Unternehmen, Datum, Teilnehmende, betrachteter Zeitraum, Version.
| Thema | Ergebnis und Bewertung | Entscheidung oder Maßnahme | Verantwortlich | Termin |
|---|---|---|---|---|
| Maßnahmen aus der letzten Bewertung | ||||
| Interne und externe Themen | ||||
| Interessierte Parteien (neu 2026) | ||||
| Kundenzufriedenheit und Rückmeldungen | ||||
| Qualitätsziele | ||||
| Prozessleistung und Konformität | ||||
| Abweichungen und Korrekturmaßnahmen | ||||
| Überwachung und Messung | ||||
| Auditergebnisse | ||||
| Externe Anbieter | ||||
| Ressourcen | ||||
| Risiken und Chancen | ||||
| Verbesserungen | ||||
| Änderungen am QM-System | ||||
| Gesamtbewertung: geeignet, angemessen, wirksam, strategisch passend? |
Unterschrift oder Freigabe der Leitung mit Datum. Weitere Vorlagen finden Sie unter Vorlagen und Checklisten.
Beispiel: drei ausgefüllte Zeilen
Aus dem Protokoll eines frei erfundenen Metallbaubetriebs:
| Thema | Ergebnis und Bewertung | Entscheidung | Verantwortlich | Termin |
|---|---|---|---|---|
| Qualitätsziele | Termintreue 91 % statt 95 %; Hauptursache verspätete Verzinkung | zweiten Verzinker freigeben, Ziel für das nächste Jahr beibehalten | Einkauf | 30.06. |
| Interessierte Parteien | zwei Großkunden verlangen künftig Angaben zum CO₂-Fußabdruck | Anforderung klären, Aufwand schätzen | Inhaber | 31.03. |
| Ressourcen | nur ein Mitarbeiter mit Schweißprüfung | zweiten Mitarbeiter zur Prüfung anmelden | Inhaber | 31.12. |
So sieht eine Bewertung aus, die im Audit trägt: Zahlen, eine Einschätzung und eine Entscheidung mit Termin.
In kleinen Betrieben
In einem Betrieb mit zehn oder zwanzig Beschäftigten ist die oberste Leitung oft eine Person. Die Managementbewertung kann dann mit der Jahresplanung verbunden werden, solange alle Themen behandelt und die Ergebnisse dokumentiert sind. Wichtig ist, dass die Bewertung nicht nur aus Formulierungen besteht, sondern sichtbar zu Entscheidungen führt.
Was die Auditorin fragt
- Wann fand die letzte Managementbewertung statt, und wer war dabei?
- Welche Entscheidungen hat sie gebracht, und was ist daraus geworden?
- Wie fließen Kennzahlen, Audits und Reklamationen ein?
- Wie haben Sie Veränderungen bei Kunden und anderen interessierten Parteien bewertet?
Häufige Fehler
- Pflichtthemen fehlen: Nach der Fassung 2026 ist jedes Thema verbindlich.
- Nur Zahlen, keine Bewertung: Eine Kennzahl ohne Einschätzung ist keine Bewertung.
- Keine Entscheidungen: Ein Protokoll ohne Maßnahmen zeigt, dass die Leitung nicht steuert.
- Von der QM-Beauftragten allein geschrieben: Die Leitung muss erkennbar beteiligt sein.
- Maßnahmen versanden: Offene Punkte aus dem Vorjahr, die niemand verfolgt hat, fallen sofort auf.
Wie die Managementbewertung mit dem internen Audit und den Risiken und Chancen zusammenhängt, zeigt der Artikel Qualitätsmanagementsystem.



