ISO-Zertifizierung: Ablauf, Zertifizierungsstellen und Normen im Überblick
Eine ISO-Zertifizierung läuft für alle Managementsystemnormen nach demselben Muster: Stufe 1, Stufe 2, Zertifikat für drei Jahre, jährliche Überwachung. Hier stehen Ablauf, Rollen, die Wahl der Zertifizierungsstelle und die wichtigsten Normen mit ihren aktuellen Fristen.
Eine ISO-Zertifizierung bestätigt, dass ein Managementsystem die Anforderungen einer Norm erfüllt. Ausgestellt wird das Zertifikat von einer Zertifizierungsstelle; die ISO selbst zertifiziert nicht (ISO). Für alle Managementsystemnormen gilt dasselbe Grundmuster, denn sie teilen seit Jahren eine gemeinsame Struktur mit den Kapiteln 4 bis 10, heute Harmonized Structure genannt (DIN).
Dieser Bereich erklärt, was für alle Normen gleich ist. Die ausführlichsten Inhalte gibt es bisher zu ISO 9001, weiter unten stehen Kurzprofile der anderen großen Normen.
So läuft eine Zertifizierung ab
| Schritt | Was passiert |
|---|---|
| Vorbereitung | Managementsystem aufbauen, internes Audit, Managementbewertung |
| Stufe-1-Audit | die Stelle prüft, ob Sie bereit für Stufe 2 sind |
| Stufe-2-Audit | Prüfung der Wirksamkeit vor Ort |
| Zertifikat | nach Behebung aller Abweichungen und der Zertifizierungsentscheidung, in der Regel drei Jahre gültig |
| Überwachung | jährliches Audit, das erste spätestens zwölf Monate nach der Entscheidung |
| Rezertifizierung | vor Ablauf des Zertifikats, Prüfung des ganzen Systems |
Quellen: TÜV NORD CERT, DQS. Am Beispiel ISO 9001 steht der Ablauf ausführlich im Artikel ISO-9001-Zertifizierung.
Wer was macht
- ISO entwickelt und veröffentlicht die Normen.
- Akkreditierungsstellen prüfen und überwachen die Zertifizierungsstellen, in Deutschland die DAkkS. International arbeiten sie seit 1. Januar 2026 in der Global Accreditation Cooperation (Global ACI) zusammen, die IAF und ILAC abgelöst hat (Global ACI).
- Zertifizierungsstellen auditieren Unternehmen und stellen Zertifikate aus. Beraten dürfen sie ihre Kunden nicht (European co-operation for Accreditation).
- Berater helfen beim Aufbau, zertifizieren aber nicht.
Wie Sie eine passende Stelle finden, Angebote vergleichen und die Stelle wechseln, steht im Artikel Zertifizierungsstelle wählen.
Auditzeit und Kosten
Die Auditzeit für ISO 9001, ISO 14001 und ISO 45001 legt das verbindliche Dokument IAF MD 5 fest, heute bei Global ACI als TECH-3-004 geführt. Maßgeblich sind die Zahl der Personen und die Komplexität; für Umwelt und Arbeitsschutz kommt die Risikoeinstufung des Betriebs hinzu (IAF MD 5:2023). Die Kosten ergeben sich aus Audittagen mal Tagessatz. Ein Beispiel aus einer öffentlichen Preisliste: TÜV Saarland berechnet für ISO 9001, 14001, 45001 und 50001 je 1.390 Euro netto pro Personentag, für ISO/IEC 27001 1.590 Euro (TÜV Saarland, Stand 01.03.2026).
Der Kostenrechner schätzt die Audittage für alle drei Normen, die IAF MD 5 abdeckt.
Die wichtigsten Normen im Überblick
ISO 9001: Qualitätsmanagement
Die bekannteste Norm, für Organisationen jeder Größe und Branche. Seit 16.09.2026 gilt die Fassung 2026; Zertifikate nach der Fassung 2015 gelten längstens bis 30.09.2029 (Global ACI-TECH-3-TR). Alles dazu im Bereich ISO 9001.
ISO 14001: Umweltmanagement
Regelt, wie ein Unternehmen seine Umweltauswirkungen steuert, rechtliche Pflichten einhält und seine Umweltleistung verbessert. Die neue Fassung ISO 14001:2026 ist im April 2026 erschienen. Zertifikate nach der alten Fassung müssen bis 30.04.2029 umgestellt sein; ab 31.10.2027 gibt es Erstzertifizierungen nur noch nach der Fassung 2026 (Global ACI; SAS). Die Auditzeit hängt neben der Personenzahl von der Umweltrelevanz der Tätigkeit ab, in IAF MD 5 von hoch bis begrenzt.
ISO 45001: Arbeitsschutzmanagement
Regelt, wie ein Unternehmen Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten bestimmt und verringert. Gültig ist die Fassung von 2018; eine Überarbeitung ist im Entwurfsstadium, eine neue Fassung wird für 2027 erwartet (DNV, Stand 03.07.2026). Auch hier hängt die Auditzeit von der Risikoeinstufung ab, in IAF MD 5 von hoch bis gering.
ISO/IEC 27001: Informationssicherheit
Regelt ein Managementsystem für Informationssicherheit, mit Risikobeurteilung und Maßnahmenkatalog. Gültig ist die Fassung von 2022; Zertifikate nach der Fassung 2013 sind seit 31.10.2025 ungültig (DAkkS). Wichtig wird die Norm durch die NIS-2-Regeln: Das deutsche Umsetzungsgesetz ist seit 06.12.2025 in Kraft (BGBl. 2025 I Nr. 301). Das BSI rechnet mit rund 29.500 beaufsichtigten Einrichtungen (BSI); bis 30.09.2026 hatten sich 20.141 registriert (BSI, NIS-2 in Zahlen).
Mehrere Normen in einem System
Weil alle Normen dieselbe Grundstruktur haben, lassen sie sich in einem integrierten Managementsystem verbinden: eine Politik, gemeinsame Ziele, eine Risikobetrachtung, gemeinsame interne Audits und eine Managementbewertung. Wer mit ISO 9001 beginnt und später ISO 14001 oder ISO 45001 ergänzt, baut also auf dem Vorhandenen auf. Fragen Sie Ihre Zertifizierungsstelle, ob sie die Normen in gemeinsamen Audits prüfen kann.
Unten finden Sie alle Artikel, die für jede Norm gelten.
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