Der Qualitätsmanagementbeauftragte, kurz QMB, koordiniert das QM-System eines Unternehmens. Er pflegt Dokumente, organisiert Audits, verfolgt Maßnahmen und berät die Leitung. Seit der Fassung 2015 verlangt ISO 9001 keinen QMB mehr ausdrücklich. Verantwortung und Befugnisse für das QM-System müssen aber zugewiesen sein, und die Leitung kann ihre eigene Verantwortung nicht delegieren (MPA NRW).

Die meisten zertifizierten Betriebe haben trotzdem eine Person in dieser Rolle, weil jemand den Überblick behalten muss. Der Titel ist frei: QMB, QM-Beauftragte, Qualitätsbeauftragter oder Qualitätsmanager.

Was die Norm verlangt und was nicht

ISO 9001 verlangtISO 9001 verlangt nicht
dass die Leitung Verantwortung für das QM-System übernimmteinen „Beauftragten der obersten Leitung“ wie in der Fassung 2008
dass Rollen, Verantwortung und Befugnisse zugewiesen und bekannt sindeine bestimmte Person oder Stellenbezeichnung
dass jemand über die Leistung des Systems an die Leitung berichteteine bestimmte Ausbildung
dass die Integrität des Systems bei Änderungen erhalten bleibteine Vollzeitstelle

Die Rollen dürfen auch auf mehrere Personen verteilt sein: Die Bürokraft pflegt Dokumente, ein Meister organisiert Audits, die Geschäftsführung leitet die Managementbewertung. Entscheidend ist, dass jeder seine Rolle kennt und sie im Audit erklären kann.

Die Aufgaben eines QMB

BereichAufgaben
System pflegenProzesslandkarte, Prozessbeschreibungen und Vorgaben aktuell halten, Dokumente lenken
AuditsAuditprogramm planen, interne Audits durchführen oder organisieren, externe Audits vorbereiten und begleiten
MaßnahmenAbweichungen, Reklamationen und Verbesserungen erfassen und nachverfolgen
KennzahlenKennzahlen sammeln, auswerten, Trends erkennen
LeitungManagementbewertung vorbereiten, über die Leistung des Systems berichten, beraten
Mitarbeitendeschulen, informieren, Ansprechpartner bei Fragen sein
ExternAnsprechpartner für Zertifizierungsstelle und Kundenaudits

Was der QMB nicht ist: der einzige, der für Qualität verantwortlich ist. Prozessverantwortliche steuern ihre Prozesse selbst; der QMB koordiniert und unterstützt.

Neue Akzente durch ISO 9001:2026

Die Fassung 2026 verlangt, dass die Leitung Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördert und dass Mitarbeitende wissen, was beides für ihre Arbeit bedeutet (Global ACI-TECH-3-TR). Für den QMB heißt das:

  • Schulungen und Einweisungen um Qualitätskultur ergänzen
  • die Managementbewertung um das neue Pflichtthema Veränderungen bei interessierten Parteien erweitern
  • Risiken und Chancen in getrennten Listen führen
  • bei geplanten Änderungen Wirksamkeit, Kommunikation und Ergebnisprüfung festlegen

Den Stand des eigenen Systems prüft der Umstellungs-Check.

Welche Qualifikation ein QMB braucht

Vorgeschrieben ist keine Ausbildung. In der Praxis brauchen QMB vier Dinge:

  • Normwissen: die Anforderungen von ISO 9001 und ihre Umsetzung
  • Methodenwissen: Prozessbeschreibung, Ursachenanalyse, Kennzahlen, Auditieren
  • Betriebswissen: wie das eigene Unternehmen arbeitet, Produkte, Kunden, Abläufe
  • Kommunikation: überzeugen statt kontrollieren, Leitung und Mitarbeitende mitnehmen

Üblich ist eine Weiterbildung zum Qualitätsmanagementbeauftragten. Angebote gibt es von Fachgesellschaften, Prüfinstituten und Kammern, mit Preisen von einigen hundert Euro für Online-Kurse bis zu rund 4.000 Euro für Lehrgänge mit Personenzertifikat. Einen Vergleich mit Quellen bietet der Artikel QMB-Ausbildung.

Intern, extern oder die Geschäftsführung selbst?

LösungVorteileNachteile
interner QMBkennt den Betrieb, ist täglich dabraucht Zeit neben dem Tagesgeschäft und Weiterbildung
Geschäftsführung selbstkurze Wege, Entscheidungen sofortwenig Zeit, interne Audits der eigenen Arbeit muss jemand anderes machen
externer QMBErfahrung aus vielen Betrieben, keine Einarbeitung in die Normkostet Honorar, ist selten vor Ort, Wissen bleibt außen

Für kleine Betriebe ist eine Mischung oft am besten: Eine Person im Haus pflegt das System im Alltag, ein externer Auditor übernimmt die internen Audits.

Wie viel Zeit die Rolle braucht

Das hängt von Größe, Branche und Reife des Systems ab. Im ersten Jahr, während des Aufbaus, ist der Aufwand deutlich höher als später im laufenden Betrieb. Wichtig ist, dass die Zeit fest eingeplant ist: Ein QMB, der die Aufgabe nebenbei erledigen soll, wird sie vor jedem Audit hektisch nachholen. Halten Sie die vereinbarte Zeit in der Stellenbeschreibung fest.

Ein Arbeitsjahr als QMB

ZeitraumTypische Aufgaben
JahresbeginnQualitätsziele mit der Leitung abstimmen, Auditprogramm und Schulungsplan aufstellen
Frühjahrerste interne Audits, Lieferanten neu bewerten, Kennzahlen des Vorjahres auswerten
Sommerweitere interne Audits, Risiken und Chancen prüfen, Schulungen durchführen
HerbstDaten für die Managementbewertung sammeln, offene Maßnahmen nachfassen
JahresendeManagementbewertung mit der Leitung, externes Audit vorbereiten und begleiten
laufendReklamationen und Abweichungen verfolgen, Dokumente aktualisieren, Fragen beantworten

Den Termin des externen Audits legen Sie mit der Zertifizierungsstelle fest; die übrigen Aufgaben verteilen Sie so, dass keine Spitze entsteht.

Was die Auditorin den QMB fragt

  • Wie haben Sie das Auditprogramm festgelegt, und warum werden manche Prozesse öfter auditiert?
  • Welche Maßnahmen sind offen, seit wann, und was tun Sie, damit sie erledigt werden?
  • Wie erfahren Sie von Reklamationen und Fehlern im Betrieb?
  • Wie berichten Sie der Leitung über die Leistung des QM-Systems?

Ein QMB, der diese Fragen mit Beispielen beantworten kann, zeigt ein lebendiges System.

Muster-Stellenbeschreibung

Ein frei formuliertes Muster zum Anpassen:

FeldInhalt
StelleQualitätsmanagementbeauftragte/r
Berichtet anGeschäftsführung
Zeitanteilvereinbarter Anteil der Arbeitszeit
Ziel der Stelledas QM-System nach ISO 9001:2026 koordinieren, aufrechterhalten und verbessern
AufgabenDokumente lenken; Auditprogramm planen und interne Audits durchführen oder organisieren; Maßnahmen verfolgen; Kennzahlen auswerten; Managementbewertung vorbereiten; Mitarbeitende schulen; externe Audits vorbereiten und begleiten
BefugnisseZugang zu allen Bereichen für Audits; Vorgaben im QM-System zur Freigabe vorlegen; Maßnahmen bei Abweichungen anstoßen; direkter Zugang zur Geschäftsführung
AnforderungenWeiterbildung zum QMB oder vergleichbar; Kenntnis der betrieblichen Abläufe; Kommunikationsstärke
Vertretungbenannte Person

Die Befugnisse sind wichtig: Ein QMB, der Abweichungen nicht ansprechen darf, kann seine Aufgabe nicht erfüllen.

QMB, Qualitätsmanager, Qualitätssicherung, Auditor

RolleSchwerpunkt
QMBkoordiniert das QM-System, oft neben anderen Aufgaben
Qualitätsmanagerleitet das Qualitätswesen, meist in größeren Unternehmen, oft mit Personalverantwortung
Qualitätssicherung oder Qualitätsprüfungprüft Produkte und Prozesse, etwa Wareneingang und Endprüfung
interner Auditorprüft das QM-System in Audits, unabhängig vom eigenen Bereich
Zertifizierungsauditorprüft im Auftrag einer Zertifizierungsstelle; mehr dazu unter Auditor werden

Häufige Fehler

  • Der QMB als Alleinverantwortlicher: Dann bleibt das System Papier, und die Leitung zieht sich zurück.
  • Keine Zeit eingeplant: Die Rolle wird nebenbei erledigt und kurz vor Audits nachgeholt.
  • Keine Befugnisse: Ein QMB, der nichts anstoßen darf, wird nicht ernst genommen.
  • Keine Vertretung: Fällt die Person aus, weiß niemand, wo was liegt.
  • Nie weitergebildet: Mit der Fassung 2026 haben sich Anforderungen geändert; eine kurze Umstellungsschulung lohnt sich.

Wie das ganze System aufgebaut wird, steht unter QM-System aufbauen. Wie ein internes Audit abläuft, zeigt der Artikel Internes Audit.