ISO 9001:2026 ist am 16. September 2026 erschienen (ISO TC 176). Wer nach ISO 9001:2015 zertifiziert ist, hat bis 30. September 2029 Zeit für die Umstellung. Neue Zertifizierungen gibt es ab 31. März 2028 nur noch nach der Fassung 2026. Inhaltlich ändert sich wenig: Die verbindlichen Umstellungsregeln nennen die Änderungen „minimal“ und für die meisten Organisationen mit vertretbarem Aufwand umsetzbar (Global ACI-TECH-3-TR, Abschnitt 3.2).
Dieser Artikel zeigt alle Termine, jede inhaltliche Änderung mit Kapitel und was Sie bis zum Umstellungsaudit erledigen sollten. Wie Sie die Umstellung praktisch planen, steht im Artikel Umstellung auf ISO 9001:2026.
Die Termine im Überblick
Die Fristen legt die Global Accreditation Cooperation (Global ACI) fest. Sie hat die Aufgaben des International Accreditation Forum (IAF) übernommen; ihre Regeln gelten für alle akkreditierten Zertifizierungsstellen.
| Termin | Was passiert |
|---|---|
| 16.09.2026 | ISO 9001:2026 erscheint und ersetzt ISO 9001:2015 einschließlich Amd 1:2024 |
| 31.03.2027 | Akkreditierungsstellen müssen nach der neuen Fassung begutachten können |
| 30.09.2027 | Akkreditierungsstellen haben die Zertifizierungsstellen auf die neue Fassung umgestellt |
| 31.03.2028 | Neue Zertifizierungen nur noch nach ISO 9001:2026, keine neuen Zertifikate nach 2015 mehr |
| 30.09.2029 | Ende der Übergangsfrist: Alle zertifizierten Firmen sind umgestellt, Zertifikate nach 2015 verlieren ihre Gültigkeit |
Quelle aller Termine: Global ACI-TECH-3-TR „Transition Requirements for ISO 9001:2026“, Ausgabe 04.09.2026, Abschnitte 4 und 5.
Für Sie zählt vor allem der letzte Termin. Bis 30. September 2029 muss das Umstellungsaudit stattgefunden haben und das neue Zertifikat ausgestellt sein. Wer erst 2028 eine Neuzertifizierung plant, sollte gleich nach der Fassung 2026 starten: Stufe-1- und Stufe-2-Audit nach der alten Fassung sind nach dem 31. März 2028 nicht mehr möglich.
Was sich inhaltlich ändert
Die Umstellungsregeln von Global ACI listen die wichtigsten Änderungen auf (Abschnitt 3.1). Die Tabelle fasst sie in eigenen Worten zusammen; den Normtext selbst gibt es bei ISO und DIN Media.
| Kapitel | Was neu ist | Was Sie prüfen sollten |
|---|---|---|
| 3 Begriffe | an die gemeinsame Struktur aller ISO-Managementsystemnormen angepasst; eigene Begriffe für QM-System, Qualitätspolitik und Qualitätsziele | ob Ihre Dokumente die Begriffe einheitlich verwenden |
| mehrere | neue Formulierung zur dokumentierten Information: Sie muss verfügbar sein | ob klar ist, welche Dokumente wo verfügbar sein müssen |
| 5.1.1 | neuer Punkt: Die Leitung fördert Qualitätskultur und ethisches Verhalten; „fortlaufende“ statt bloß „Verbesserung“ | wie die Leitung beides sichtbar vorlebt und belegt |
| 5.2.1 | Qualitätspolitik berücksichtigt den Kontext und stützt die strategische Ausrichtung, jetzt in einem Punkt gebündelt | ob Ihre Qualitätspolitik zur Strategie passt |
| 6.1 | neu gegliedert: Risiken und Chancen bestimmen (6.1.1), Maßnahmen zu Risiken (6.1.2), Maßnahmen zu Chancen (6.1.3) | ob Sie für Chancen eigene Maßnahmen haben |
| 6.3 | bei geplanten Änderungen neu: Wirksamkeit überwachen, Änderung kommunizieren, Ergebnisse prüfen | ob Ihr Änderungsprozess diese drei Schritte enthält |
| 7.3 | Bewusstsein: Mitarbeitende kennen Qualitätskultur und ethisches Verhalten | ob Schulungen und Einweisungen das abdecken |
| 9.3.2 | Managementbewertung: Eingänge sind Pflichtinhalte; neu sind Veränderungen bei den Erwartungen interessierter Parteien | ob Ihre Vorlage für die Managementbewertung den neuen Punkt hat |
| Anhang | Anhang A erläutert die Anforderungen neu, Anhang B entfällt | nichts, beide Anhänge sind informativ |
Mit dem Umstellungs-Check gehen Sie diese Punkte für Ihr eigenes QM-System durch.
Qualitätskultur und ethisches Verhalten
Die sichtbarste Neuerung steht in der Führung. Die oberste Leitung soll eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördern (5.1.1), und die Mitarbeitenden sollen wissen, was das für ihre Arbeit bedeutet (7.3). Eine neue Anmerkung erklärt den Begriff: Qualitätskultur und ethisches Verhalten zeigen sich in gemeinsamen Werten, Haltungen und gelebten Abläufen.
Ein eigenes Dokument verlangt die Norm dafür nicht. Im Audit fragt die Auditorin eher, woran man die Kultur erkennt. Mögliche Belege:
- ein Leitbild oder Verhaltenskodex, der im Alltag tatsächlich verwendet wird
- Besprechungen, in denen Fehler offen angesprochen werden, und der Umgang damit
- Ziele und Kennzahlen, die nicht nur Menge, sondern auch Qualität belohnen
- die Managementbewertung, in der die Leitung Kultur und Verhalten bewertet
- Einweisungen neuer Mitarbeitender, die das Thema ansprechen
Kleine Firmen sind hier oft im Vorteil: Die Wege sind kurz, und die Leitung arbeitet sichtbar mit. Wichtig ist, dass Sie Beispiele nennen können.
Risiken und Chancen: jetzt getrennt
Kapitel 6.1 ist neu gegliedert. Erst bestimmen Sie Risiken und Chancen (6.1.1), dann planen Sie Maßnahmen zu Risiken (6.1.2) und getrennt davon Maßnahmen zu Chancen (6.1.3). Viele QM-Systeme haben bisher eine gemeinsame Liste, in der Chancen nur am Rand vorkommen. Künftig sollte für erkannte Chancen erkennbar sein, wie Sie sie nutzen wollen, etwa ein neues Kundensegment, eine Förderung oder eine Automatisierung.
Eine einfache Lösung ist eine Tabelle mit zwei Blättern: Risiken mit Bewertung und Maßnahme, Chancen mit Nutzen und Maßnahme. Mehr dazu im Artikel Risiken und Chancen.
Änderungen planen: drei neue Pflichten
Wer sein QM-System ändert, etwa einen Prozess umbaut oder eine neue Software einführt, plant das nach 6.3. Neu sind drei Punkte: Sie legen fest, wie Sie die Wirksamkeit der Änderung überwachen und bewerten, wie Sie die Änderung kommunizieren und wie Sie die Ergebnisse anschließend prüfen.
In der Praxis reicht oft ein kurzes Änderungsformular mit drei zusätzlichen Feldern: Erfolgskriterium, Information an wen, Prüftermin. Wichtig ist, dass der Prüftermin tatsächlich stattfindet und dokumentiert ist.
Managementbewertung: neuer Pflichtinhalt
In der Managementbewertung (9.3.2) sind die Eingänge jetzt als Inhalte vorgeschrieben, nicht mehr nur „zu berücksichtigen“. Neu ist der Punkt Veränderungen bei den Erfordernissen und Erwartungen interessierter Parteien, also etwa neue Kundenanforderungen, geänderte Gesetze oder Erwartungen von Mitarbeitenden. Am einfachsten ergänzen Sie Ihre Vorlage um diesen Punkt; die übrigen Eingänge sind neu sortiert. Mehr im Artikel Managementbewertung.
Was gleich bleibt
Die Grundstruktur bleibt: Kapitel 4 bis 10 folgen weiter der gemeinsamen Struktur aller ISO-Managementsystemnormen (Kontext, Führung, Planung, Unterstützung, Betrieb, Bewertung, Verbesserung). Ein funktionierendes QM-System nach ISO 9001:2015 muss also nicht neu aufgebaut werden. Es braucht Ergänzungen an den genannten Stellen und eine Prüfung, ob sich der eigene Kontext geändert hat.
Das Umstellungsaudit
Die Umstellung erfolgt nicht über eine komplette Neuzertifizierung, sondern über ein Umstellungsaudit (Global ACI-TECH-3-TR, Abschnitt 5.2):
- Es kann zusammen mit einem Überwachungsaudit, mit der Rezertifizierung oder als eigenes Sonderaudit stattfinden.
- Es prüft mindestens die geänderten Anforderungen, Änderungen in Ihrem Kontext und ob Ihr QM-System weitere Änderungen braucht.
- Es darf aus der Ferne stattfinden, wenn die Zertifizierungsstelle nachweist, dass die Ziele des Audits erreicht werden.
- Ob zusätzliche Auditzeit nötig ist, entscheidet die Zertifizierungsstelle. Bei einem vollständigen Systemaudit, etwa der Rezertifizierung, ist oft keine Zusatzzeit nötig.
Am günstigsten ist es meist, die Umstellung mit dem nächsten regulären Audit zu verbinden. Was die Audits grundsätzlich kosten, rechnen Sie mit dem Kostenrechner aus.
Wie es weitergeht
- Den Normtext besorgen: die englische Fassung bei ISO, die deutsche als DIN EN ISO 9001 bei DIN Media.
- Mit dem Umstellungs-Check die offenen Punkte sammeln.
- Den Termin mit Ihrer Zertifizierungsstelle abstimmen, am besten zusammen mit dem nächsten Audit.
- Die Punkte umsetzen und in einem internen Audit prüfen.
Einen Zeitplan mit allen Schritten finden Sie im Artikel Umstellung auf ISO 9001:2026.


