Eine Prozessbeschreibung hält fest, wie ein Ablauf in Ihrem Betrieb funktioniert. Sie nennt Ziel, Schritte, Verantwortliche, was hineingeht und was herauskommt. ISO 9001 verlangt keine Beschreibung für jeden Prozess, aber dass Sie Ihre Prozesse steuern und so viel dokumentieren, wie nötig ist, damit sie wirksam laufen und Sie die Konformität nachweisen können (MPA NRW). Für die Kernprozesse und für fehleranfällige Abläufe ist eine kurze Beschreibung deshalb der übliche Weg.

Die Übersicht aller Prozesse gehört in die Prozesslandkarte. Die Prozessbeschreibung ist die Ebene darunter.

Welche Prozesse eine Beschreibung brauchen

Beschreiben Sie zuerst die Prozesse, bei denen ein Fehler teuer wird oder bei denen mehrere Personen zusammenarbeiten müssen:

  • Kernprozesse vom Angebot bis zur Lieferung
  • Abläufe, die selten vorkommen und deshalb leicht vergessen werden, etwa der Rückruf eines Produkts
  • Abläufe mit Übergaben zwischen Abteilungen, etwa vom Vertrieb an die Fertigung
  • Abläufe, die neue Mitarbeitende schnell lernen müssen

Einfache Routinen, die jeder kennt, brauchen keine eigene Beschreibung. Ein Eintrag in der Prozesslandkarte mit Verantwortlichem und Kennzahl genügt.

Die Bausteine

BausteinWas hineingehört
Zielwozu der Prozess da ist, in einem Satz
Geltungsbereichwo er beginnt und wo er endet
Verantwortlichwer den Prozess steuert und verbessert
Eingabenwas der Prozess braucht, etwa eine Anfrage oder Material
Ergebnissewas herauskommt, etwa ein geprüfter Auftrag oder ein Produkt
Ablaufdie Schritte mit Zuständigkeit, als Tabelle oder Flussdiagramm
Mitgeltende DokumenteFormulare, Checklisten, Arbeitsanweisungen
Kennzahlenworan Sie sehen, ob der Prozess funktioniert
Risikenwas schiefgehen kann und wie Sie vorbeugen
LenkungVersion, Datum, Freigabe

Beispiel 1: Auftragsabwicklung in einem Metallbaubetrieb

Ein frei erfundenes Beispiel für einen Betrieb mit 25 Beschäftigten.

Ziel: Kundenaufträge vollständig verstehen, zuverlässig zusagen und termingerecht liefern. Geltungsbereich: von der Kundenanfrage bis zur Übergabe an die Fertigung. Verantwortlich: Leitung Vertrieb.

Nr.SchrittZuständigErgebnis / Nachweis
1Anfrage erfassen, fehlende Angaben beim Kunden klärenVertriebAnfrage im System, offene Fragen notiert
2Machbarkeit prüfen: Technik, Material, Kapazität, TerminVertrieb mit FertigungsleitungMachbarkeit bestätigt
3Aufmaß vor Ort, falls nötigMonteurAufmaßprotokoll
4Angebot kalkulieren und erstellenVertriebAngebot mit Leistungsbeschreibung
5Auftrag gegen Angebot prüfen, Abweichungen klärenVertriebgeprüfter Auftrag, Auftragsbestätigung
6Übergabe an Konstruktion und FertigungVertriebAuftragsmappe mit allen Unterlagen

Mitgeltende Dokumente: Checkliste Anfrage, Aufmaßformular, Kalkulationsvorlage. Kennzahlen: Angebots-Erfolgsquote, Anteil Aufträge mit Nachforderungen, Termintreue. Risiken: unklare Anforderungen (Gegenmaßnahme: Checkliste Anfrage), Kapazitätsengpass (Gegenmaßnahme: Abstimmung mit Fertigungsleitung vor Zusage).

Der Prüfschritt 5 erfüllt die Anforderung der Norm, Kundenanforderungen vor der Zusage zu prüfen. Die Nachweise in der letzten Spalte sind das, was die Auditorin im Audit sehen will.

Beispiel 2: Reklamationsbearbeitung bei einem IT-Dienstleister

Ein zweites, ebenfalls frei erfundenes Beispiel, diesmal mit einer Entscheidung im Ablauf.

Ziel: Reklamationen schnell lösen und die Ursache so abstellen, dass der Fehler nicht wiederkommt. Geltungsbereich: vom Eingang der Reklamation bis zur Wirksamkeitsprüfung. Verantwortlich: Teamleitung Service.

Nr.SchrittZuständigErgebnis / Nachweis
1Reklamation aufnehmen, Eingang bestätigenServiceEintrag im Ticketsystem
2Berechtigt? Prüfen gegen Vertrag und LeistungsbeschreibungTeamleitungEntscheidung mit Begründung
3aWenn nicht berechtigt: Kunden begründet informierenTeamleitungAntwort an den Kunden
3bWenn berechtigt: Sofortmaßnahme, Fehler behebenTechnikerbehobener Fehler, Kunde informiert
4Ursache analysieren, bei wiederkehrenden Fehlern mit 8D-ReportTeamleitung mit Technikdokumentierte Ursache
5Korrekturmaßnahme festlegen und umsetzenTeamleitungMaßnahme in der Maßnahmenliste
6Nach vier Wochen prüfen, ob der Fehler wiedergekommen istTeamleitungWirksamkeit bestätigt oder neue Maßnahme

Kennzahlen: Anzahl berechtigter Reklamationen pro Monat, Dauer bis zur Lösung, Anteil wiederkehrender Fehler.

Die Schritte 4 bis 6 sind der Kern dessen, was ISO 9001 im Kapitel Verbesserung verlangt: nicht nur reparieren, sondern die Ursache beseitigen und prüfen, ob das gewirkt hat.

Darstellungsformen im Vergleich

FormSo sieht sie ausGeeignet für
TabelleSchritte untereinander mit Zuständigkeit und Ergebnislineare Abläufe, schnelle Erstellung
FlussdiagrammKästen für Tätigkeiten, Rauten für Entscheidungen, PfeileAbläufe mit Verzweigungen
SchwimmbahnenFlussdiagramm, in dem jede Rolle eine eigene Bahn hatAbläufe mit vielen Übergaben zwischen Personen
Turtle-Diagrammder Prozess in der Mitte, rundherum sechs Felder: Eingaben, Ergebnisse, Womit (Mittel), Wer (Personal und Kompetenz), Wie (Methoden und Vorgaben), KennzahlenÜberblick über einen Prozess, Vorbereitung auf Audits
SIPOCeine Zeile je Prozess: Lieferant, Eingabe, Prozess, Ergebnis, Kundeerste Grobübersicht vor der Detailbeschreibung

Für die meisten kleinen Betriebe reicht eine Tabelle wie in den Beispielen. Gibt es Entscheidungen oder viele Beteiligte, zeichnen Sie zusätzlich ein Flussdiagramm.

Prozessbeschreibung, Arbeitsanweisung, Checkliste

Dokumente im QM-System bilden meist drei Ebenen:

EbeneInhaltBeispiel
Prozessbeschreibungganzer Ablauf mit ZuständigkeitenAuftragsabwicklung
Arbeitsanweisungein einzelner Arbeitsschritt im DetailSchweißnaht prüfen
Formular oder ChecklisteVorlage für den NachweisPrüfprotokoll Schweißnaht

Verweisen Sie von oben nach unten, nicht umgekehrt. Dann ändert sich bei einer neuen Checkliste nicht gleich die ganze Prozessbeschreibung.

Vorlage zum Kopieren

FeldInhalt
Prozess
Ziel
Beginn / Ende
Verantwortlich
Eingaben
Ergebnisse
Kennzahlen
Risiken und Gegenmaßnahmen
Mitgeltende Dokumente
Version / Datum / Freigabe
Nr.SchrittZuständigErgebnis / Nachweis
1
2
3

Weitere Arbeitshilfen finden Sie unter Vorlagen und Checklisten.

So entsteht eine Beschreibung in einer Besprechung

  1. Laden Sie zwei bis vier Personen ein, die den Ablauf täglich machen.
  2. Klären Sie zuerst Beginn, Ende und Ziel des Prozesses.
  3. Sammeln Sie die Schritte auf Karten und bringen Sie sie in Reihenfolge.
  4. Ergänzen Sie für jeden Schritt, wer zuständig ist und welcher Nachweis entsteht.
  5. Fragen Sie: Was geht hier am häufigsten schief? Das sind Ihre Risiken.
  6. Übertragen Sie das Ergebnis in die Vorlage und lassen Sie es freigeben.

Prüfliste vor der Freigabe

Bevor die Leitung oder der Prozessverantwortliche eine Beschreibung freigibt, sollten alle Fragen mit Ja beantwortet sein:

FrageJa?
Sind Beginn und Ende des Prozesses eindeutig?
Hat jeder Schritt genau eine zuständige Rolle?
Ist für jeden wichtigen Schritt klar, welcher Nachweis entsteht?
Gibt es mindestens eine Kennzahl, die regelmäßig erhoben wird?
Sind die größten Risiken und Gegenmaßnahmen genannt?
Stimmen die mitgeltenden Dokumente mit den aktuellen Fassungen überein?
Haben die Beteiligten die Beschreibung gelesen und bestätigt, dass sie zum Alltag passt?

Wann Sie eine Beschreibung überarbeiten

  • wenn sich der Ablauf ändert, etwa durch neue Software, neue Maschinen oder eine andere Organisation
  • wenn ein internes Audit oder eine Reklamation zeigt, dass Beschreibung und Wirklichkeit auseinanderlaufen
  • wenn eine Kennzahl dauerhaft schlecht ist und der Ablauf deshalb geändert wird
  • spätestens bei der jährlichen Durchsicht Ihrer Dokumente

Jede Überarbeitung bekommt eine neue Version mit Datum und Freigabe. Die alte Fassung archivieren Sie, damit niemand mehr nach ihr arbeitet.

Tipps für gute Prozessbeschreibungen

  • Mit den Beteiligten schreiben. Wer den Ablauf täglich macht, kennt die Stolpersteine. Eine Beschreibung aus dem Büro der QM-Beauftragten passt selten.
  • Tätigkeiten mit Verben beschreiben: „Auftrag prüfen“ statt „Auftragsprüfung“.
  • Nur Wesentliches: Ein bis zwei Seiten. Details in Checklisten und Arbeitsanweisungen.
  • Nachweise benennen: Wo sieht man später, dass der Schritt passiert ist?
  • Aktuell halten: Ändert sich der Ablauf, ändert sich die Beschreibung, mit neuer Version. Die Fassung 2026 verlangt bei geplanten Änderungen zusätzlich festzulegen, wie Sie die Wirksamkeit überwachen, die Änderung kommunizieren und die Ergebnisse prüfen (Global ACI-TECH-3-TR).

Mehrere Prozessbeschreibungen lassen sich in einem QM-Handbuch bündeln oder einzeln ablegen. Wie das ganze System entsteht, beschreibt der Artikel QM-System aufbauen.