Das Ishikawa-Diagramm ist ein Werkzeug, um die möglichen Ursachen eines Problems geordnet zu sammeln. Das Problem steht am Kopf, die Ursachen hängen an Gräten, die nach Kategorien wie Mensch, Maschine, Material und Methode sortiert sind. Wegen dieser Form heißt es auch Fischgräten-Diagramm. Entwickelt hat es der Japaner Kaoru Ishikawa für das Qualitätsmanagement; die Angaben zur Entstehungszeit gehen auseinander (TÜV Thüringen Akademie).

Das Diagramm gehört zu den sieben klassischen Qualitätswerkzeugen, zusammen mit Prüfliste, Histogramm, Pareto-Diagramm, Grafiken, Streudiagramm und Schichtung (Moen 2009). Mit dem PDCA-Zyklus bildeten diese Werkzeuge in Japan die Grundlage der fortlaufenden Verbesserung.

Der Aufbau

  • Kopf: rechts das Problem, möglichst genau und messbar beschrieben, etwa „Geländer passen beim Einbau nicht, sechs Fälle in drei Monaten“.
  • Hauptgräte: ein waagerechter Pfeil auf den Kopf zu.
  • Gräten: schräge Linien für die Ursachenkategorien.
  • Kleine Gräten: einzelne mögliche Ursachen, bei Bedarf mit weiteren Verästelungen für Unterursachen.

Das Diagramm zeigt Vermutungen, keine bewiesenen Ursachen. Welche Ursache wirklich zutrifft, prüfen Sie danach mit Daten.

Die Kategorien: von 4M bis 8M

Ursprünglich arbeitete die Methode mit vier Kategorien, später kamen weitere hinzu (TÜV Thüringen Akademie):

KategorieTypische Fragen
MenschQualifikation, Einarbeitung, Erfahrung, Belastung, Kommunikation
MaschineZustand, Wartung, Einstellung, Werkzeuge
MaterialQualität, Lieferant, Lagerung, Verwechslung
MethodeArbeitsanweisung, Ablauf, Reihenfolge, Vorgaben
MitweltUmgebung: Temperatur, Licht, Lärm, Staub, Platz
MessungMessmittel, Messverfahren, Kalibrierung
ManagementZiele, Ressourcen, Planung, Entscheidungen
Money (Geld)Budget, Zeitdruck aus Kostengründen

Die ersten vier sind die 4M, mit Mitwelt und Messung spricht man meist von 6M, mit Management und Money von 8M. Die Kategorien dürfen Sie anpassen: Ein Dienstleister arbeitet vielleicht besser mit Mitarbeitenden, Abläufen, IT-Systemen, Informationen und Kunden.

In sechs Schritten zum Diagramm

  1. Problem festlegen: konkret, mit Zahlen, ohne vorweggenommene Ursache.
  2. Team zusammenstellen: Menschen, die den Ablauf kennen, aus verschiedenen Bereichen.
  3. Kategorien wählen: meist 6M als Start.
  4. Ursachen sammeln: jede Idee auf eine Karte, ohne sofort zu bewerten.
  5. Ordnen und vertiefen: Karten den Kategorien zuordnen, bei jeder Ursache nachfragen: Warum passiert das?
  6. Wahrscheinlichste Ursachen auswählen und prüfen: mit Daten, Versuchen oder Beobachtung bestätigen oder verwerfen.

Für eine Sitzung genügen eine Wand, Packpapier und Karten; ein digitales Whiteboard geht genauso.

Beispiel: verspätete Lieferungen bei einem Händler

Ein frei erfundener Großhändler für Befestigungstechnik liefert zu oft zu spät: In einem Quartal kamen 14 Prozent der Bestellungen nicht am zugesagten Tag an. Das Team sammelt:

KategorieMögliche Ursachen
MenschAushilfen im Lager nicht eingearbeitet; Urlaubsvertretung im Versand fehlt
MaschineEtikettendrucker fällt öfter aus
MaterialArtikel im System als verfügbar, im Lager aber leer
MethodeBestellungen nach 14 Uhr werden nicht priorisiert; keine feste Reihenfolge beim Kommissionieren
MitweltLager im Winter schlecht beleuchtet, Suchzeiten
MessungBestandszählung nur einmal im Jahr
ManagementPersonalplanung berücksichtigt Spitzen am Montag nicht
MoneySpediteur nach Preis gewählt, Abholzeit früh am Nachmittag

Die Prüfung mit Daten zeigt: Fast zwei Drittel der Verspätungen betreffen Artikel, die im System verfügbar, im Lager aber leer waren. Die Hauptursache liegt also bei der Bestandsführung (Messung und Material), nicht bei den Menschen im Lager. Maßnahmen: monatliche Stichprobenzählung der Schnelldreher und ein Mindestbestand mit automatischer Meldung.

Vom Diagramm zur eigentlichen Ursache: fünfmal Warum

Das Diagramm zeigt, wo Sie suchen müssen. Um bis zur eigentlichen Ursache zu kommen, hilft wiederholtes Nachfragen. Der VDA beschreibt die Grundursache als die Ursache, die sich nach mehrfachem Fragen „Warum ist dieser Fehler aufgetreten?“ nicht weiter zurückverfolgen lässt (VDA QMC). Am Beispiel:

  1. Warum kam die Lieferung zu spät? Der Artikel war nicht im Lager.
  2. Warum war er nicht im Lager? Er wurde nicht rechtzeitig nachbestellt.
  3. Warum nicht? Das System zeigte noch Bestand an.
  4. Warum? Bruch und Fehlbuchungen wurden nicht erfasst.
  5. Warum? Es gibt keine regelmäßige Bestandsprüfung und keine Vorgabe zur Buchung von Bruch.

Die fünfte Antwort ist die Stelle, an der eine Maßnahme dauerhaft wirkt.

Vorlage zum Kopieren

Problem (mit Zahlen)
Mensch
Maschine
Material
Methode
Mitwelt
Messung
Wahrscheinlichste Ursachen
Wie geprüft? Ergebnis
Maßnahmen, Verantwortlich, Termin

Weitere Arbeitshilfen finden Sie unter Vorlagen und Checklisten.

Ishikawa im QM-System

ISO 9001 verlangt bei Abweichungen, die Ursachen zu bestimmen und Maßnahmen zu ergreifen, damit der Fehler nicht wieder auftritt. Eine Methode schreibt die Norm nicht vor. Das Ishikawa-Diagramm passt an mehreren Stellen:

  • im Schritt D4 „Fehlerursachen“ eines 8D-Reports
  • bei Reklamationen und Abweichungen aus internen oder externen Audits
  • in der Phase Plan des PDCA-Zyklus
  • als Vorarbeit für eine FMEA, um mögliche Fehlerursachen zu sammeln

Grenzen der Methode

  • Nur Vermutungen: Das Diagramm beweist nichts. Ohne Prüfung mit Daten bleibt es eine Ideensammlung.
  • Keine Wechselwirkungen: Ursachen, die nur zusammen wirken, zeigt es schlecht.
  • Gefahr der Schuldsuche: Landet alles bei „Mensch“, fragen Sie weiter, warum Menschen so handeln. Meist liegt die Ursache in Abläufen oder Vorgaben.
  • Zu allgemein: Ein vages Problem führt zu vagen Ursachen. Je genauer der Kopf, desto besser das Diagramm.

Häufige Fehler

  • Ursache schon im Problem: „Lieferverzug wegen Personalmangel“ verengt den Blick sofort.
  • Allein ausgefüllt: Die Methode lebt vom Wissen verschiedener Beteiligter.
  • Keine Prüfung: Die erstbeste Ursache wird ohne Daten übernommen.
  • Keine Maßnahme: Das Diagramm hängt an der Wand, aber niemand handelt.

Alle Methoden im Überblick finden Sie im Bereich Methoden.